Farhad Khanmohammad (23), Auszubildender

Mit 14 Jahren floh Farhad Khanmohammad aus Afghanistan: Erst als die Taliban erneut seine ehemalige Heimat eroberten, erhielt er eine Arbeitserlaubnis. Seit Oktober 2021 durchläuft er bei Stiegler eine Ausbildung zum Maler und Lackierer.

Wann hast du gemerkt, dass du Maler werden willst?

Bevor ich zu Stiegler kam, machte ich verschiedene Praktika. Zum Beispiel als Automechaniker, Bäcker oder Autolackierer. Aber da spürte ich schnell: Das sind nicht meine Berufe. Das Streichen wiederum bereitete mir vom ersten Tag an Freude. Vielleicht weil ich eher kräftig bin und regelmäßig Sport treibe. Als Maler kann ich mich auspowern.

Außerdem gibt es in meiner Ausbildung ständig Momente, in denen ich etwas dazulerne. Mache ich zum Beispiel beim Streichen einen Fehler, überlege ich, wie ich es das nächste Mal hinbekomme. Und zu sehen, wie ich täglich bessere Ergebnisse liefere, freut mich immer wieder aufs Neue.

Wie kamst du zu Stiegler?

Durch meine Freundin. Wir sind seit drei Jahren zusammen und meisterten schon viele Herausforderungen gemeinsam. Sie arbeitet hier in der Nähe in einem Imbiss, kannte daher ein paar meiner jetzigen Kollegen und empfahl mir, bei Stiegler zu arbeiten.

Also schrieb ich eine Bewerbung, ging vorbei und fragte, ob ich eine Ausbildung machen könnte. In den folgenden zwei, drei Wochen rief ich regelmäßig an, um eine Antwort zu erhalten – jedoch wimmelten mich die Mitarbeiter jedes Mal ab: „Der Chef ist beschäftigt“, ich bin trotzdem drangeblieben. Nach einem einwöchigen Praktikum bei Stiegler, sagte mein Chef endlich: „Wenn du willst, kannst du die Ausbildung haben.“ Natürlich wollte ich!

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Hast du lange nach einer Ausbildung gesucht?

Als ich nach Deutschland kam, musste ich zunächst ein Jahr darauf warten, um zur Schule gehen zu dürfen. Danach machte ich verschiedene Praktika, um einen passenden Beruf zu finden. Viele Unternehmen boten mir im Anschluss eine Ausbildung an, leider durfte ich damals nicht arbeiten. Zwar habe ich die Regierung um eine Arbeitserlaubnis gebeten – doch ohne Tazkira keine Chance! Und weder meine Mutter noch ich wussten, wie oder wo wir dieses Personaldokument besorgen sollten. Erst als die Taliban die Macht in Afghanistan übernahm, erlaubte man mir, eine Lehre zu beginnen.

Warum hast du dich für Stiegler entschieden?

Durch verschiedene Praktika lernte ich haufenweise Firmen kennen – nirgends war es so wie hier. Mir war sofort klar: Bei Stiegler passe ich rein, hier habe ich eine Zukunft.

In erster Linie, weil alle nett zu mir sind. Insbesondere mein Chef, der immer ein offenes Ohr für mich hat. Auch meine Kollegen sind freundlich. Sie bringen mir vieles bei: Wände streichen, Türen schleifen oder Untergründe fürs Lackieren vorbereiten – eben was ein Maler können muss. Und sie verstehen, dass man anfangs Fehler macht. Zudem läuft bei Stiegler alles nach Plan. Jeder weiß, was er zu tun hat und arbeitet seine Aufgaben schrittweise ab. Daher kann ich bereits im ersten Lehrjahr viele Arbeiten selbstständig erledigen.

Genau aus diesen Gründen würde ich Freunden empfehlen, bei Stiegler eine Ausbildung zu machen – sofern sie handwerklich begabt, pünktlich und zuverlässig sind. Wer bei uns beschäftigt sein möchte, muss auch mitdenken. Dazu gehört, dass wir niemals einen Weg mit leeren Händen gehen oder unvorbereitet – sprich ohne das notwendige Werkzeug beziehungsweise ein Lächeln – auf die Baustelle kommen.

Welche Aufgaben machen dir am meisten Spaß?

Mir macht alles Spaß! Vom Grundieren, Schleifen übers Spachteln, Streichen bis zum Lackieren. Manchmal sind die Aufgaben ein bisschen kniffelig, aber ich hatte nie das Gefühl, etwas nicht schaffen zu können. Getreu dem Motto: einfach probieren. Im Leben gibt es immer Herausforderungen – und wenn ich mit Selbstvertrauen an eine Sache herangehe, kann ich alles erreichen. Meine Vergangenheit half mir dabei, selbstbewusst zu werden. Es war eine schwierige Zeit, aber aufgegeben habe ich nie.

Möchtest du etwas mehr über deine Vergangenheit erzählen?

Ich komme aus Afghanistan. Dort arbeitete mein Vater jahrelang mit Amerikanern und Franzosen zusammen – er war Automechaniker und daher in der Lage, große Militärfahrzeuge zu reparieren. 2015 bekam er immer wieder Briefe von der Taliban, in denen stand, dass er nicht für Christen arbeiten solle. Aber was war die Alternative? Schließlich musste er seine Familie ernähren. Eines Tages kam er von der Arbeit nicht mehr nach Hause.

Kurz darauf bekam auch ich einen Brief. Ich nehme an, weil ich in eine englische Schule ging und im Geschäft meines Vaters arbeitete. Meine Mutter sagte, ich müsse sofort fliehen. Ich wollte nicht von zu Hause weg, hatte aber keine Wahl: Schließlich war ich erst 14. Ein Schleuser brachte mich zunächst zu Fuß, dann mit dem Auto nach Deutschland. Das ist nun sieben Jahre her.

Trockenbauer bei der Arbeit

Wie waren deine ersten Wochen und Monate in Deutschland?

Einsam. Ich vermisste meine Heimat, meine Mutter, meine Schwestern. Es gab Tage, an denen habe ich nur geweint. Deshalb war ich auch die meiste Zeit unterwegs. Ich konnte einfach nicht herumsitzen – denn mit der Langeweile kamen die dunklen Gedanken. Man steckte mich dann in eine Flüchtlingsunterkunft, meine älteren Zimmernachbarn rauchten. Ich konnte kaum schlafen. Das Essen schmeckte nicht, es war kalt und ich wurde krank. Außerdem hatte ich Probleme mit der deutschen Sprache – darum redete ich mit nahezu niemandem.

Aber mit der Zeit wurde alles besser: Ich ging auf die Berufsschule, machte einen Mittelschulabschluss, lernte Deutsch und meine Freundin kennen. Bis heute esse ich übrigens am liebsten afghanische Gerichte. Manchmal telefoniere ich sogar mit meiner Mutter und frage sie nach Kochtipps. Das kalte Wetter mag ich jetzt auch – schließlich will ich bei der Arbeit nicht schwitzen.

Der größte Unterschied zwischen Deutschland und Afghanistan ist jedoch die Tatsache, dass ich hier sicher bin und immer eine zweite Chance erhalte. Wer in Deutschland einen Fehler begeht, wird finanziell bestraft oder kommt ins Gefängnis –in Afghanistan bringt dich die Taliban um. Außerdem war es in Afghanistan sehr laut, jede Sekunde explodierte eine Bombe. Darum hatten alle Angst, nach draußen zu gehen.

Wie veränderte die Ausbildung dein Leben?

Die Ausbildung bei Stiegler schenkte mir ein neues Leben, weil ich nun einen geregelten Tagesablauf habe. Ich stehe um 5 Uhr 30 auf, frühstücke mit meiner Freundin – wir wohnen jetzt zusammen – und mache mich fertig für die Arbeit. Freitags habe ich um 13 Uhr Feierabend. Genug Zeit, um mich auf den Besuch im Fitnessstudio vorzubereiten.

Generell bin ich glücklicher als früher. Lache viel. Komme raus. Ich bin beschäftigt. Habe Spaß. Manchmal vergesse ich sogar meine Vergangenheit für einen Moment. Und weil ich abends schlichtweg kaputt bin, kann ich endlich wieder gut schlafen.

Welche Pläne hast du für deine Zukunft?

Noch vor ein paar Jahren wollte ich irgendwann zurück nach Afghanistan. Aber meine Mutter sagte: „Nein, wenn du wiederkommst, bist du nicht mehr mein Sohn! Sei glücklich, mach deinen Sport und vergiss das Leben, das du hier hattest.“ Sie will einfach, dass ihr Großer sicher ist. Beruflich wünsche ich mir, dass ich meine Ausbildung erfolgreich abschließe und danach einen Job bei Stiegler bekomme. Wenn alles gut läuft, möchte ich sogar meinen Meister machen.

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